Mein Trost für kommende Fußball-Nationalfahnen-Meere und Bundestagswahlen ist, dass schon vor langer Zeit Leute was Treffendes dazu gesagt haben:

„Wenn die nationale Borniertheit überall widerlich ist, so wird sie namentlich in Deutschland ekelhaft, weil sie hier mit der Illusion, über die Nationalität und über alle wirklichen Interessen erhaben zu sein, denjenigen Nationalitäten entgegengehalten wird, die ihre nationale Borniertheit und ihr Beruhen auf wirklichen Interessen offen eingestehen.“
(Friedrich Engels & Karl Marx: Die deutsche Ideologie)

Bloß wenn man dann weiterliest, deprimiert’s einen wieder:

Übrigens findet sich unter allen Völkern das Beharren auf der Nationalität nur noch bei den Bourgeois und ihren Schriftstellern.

Das hat sich, falls es jemals wahr war, definitiv geändert. Na toll. Seit ich geboren wurde, werde ich mit der Phantasie einer nationalen Identität bombardiert, also einem angeblichen gemeinsamen Interesse vertikal durch alle Klassen in einem Staat. Gegen Leute von woanders. Und das fruchtet. Der aufrührerische Gedanke einer Klassenidentität, also einem gemeinsamen Interesse gegen Ausbeutung horizontal über dämliche Grenzen hinweg, wird so in Schach gehalten. Sieht man in den letzten Jahren mal wieder all zu deutlich. Puh.

Ach, nächster Trost: Dann ist das halt jetzt mal wieder ein historischer Tiefpunkt, es gibt immer noch Milliarden Leute, die nicht auf diesen tödlichen Nonsens reinfallen, und wenn wir nur ernsthaft genug dagegen arbeiten, geht’s von nun an wieder bergauf. Hoffentlich.

 

Jetzt lebe ich schon seit 38 Jahren im Kapitalismus und habe mich immer noch nicht dran gewöhnt.

 
So dreist zocken Nerv-Ideologen mit der Teile-und-Herrsche-Masche ab

Titel-Schlagzeile heute in der Bild-Zeitung: „So dreist zocken Nerv-Bettler mit der Gehörlos-Masche ab“. Gibt wirklich nichts Wichtigeres, als regelmäßig Ausgebeutete gegen Arme aufzuwiegeln, wenn man als Elite seine Ruhe haben will. Wie läuft das eigentlich bei der Bild-Zeitung (und allen anderen bürgerlichen Medien): Sitzt da in der Redaktionskonferenz der Chef vom Dienst und sagt, heute … [ganzen Artikel lesen]

 

Ich glaube, es kommt der Tag, wo man Kindern, die danach fragen, mühselig erklären muss, wieso es so schwierig und undenkbar war, eine freie Gesellschaft zu schaffen, wo sie doch so fürchterlich simpel ist.

 
Smash Tourism?

In Kreuzberg finden sich in letzter Zeit immer mehr Aufkleber und Schriftzüge, die „Kein Herz für Touris“, „Smash Tourism“ oder „A.T.A.B“ (was ich mal als „all tourists are bastards“ interpretiere) verkünden. Hier hat es beispielsweise die Eingangsspeisekarten eines indischen Restaurants getroffen: Ich halte das für einen klassischen Fall von Teile und Herrsche. Eine vermutlich irgendwie … [ganzen Artikel lesen]

 
Zapatistas versus Teile & Herrsche

Im Vorfeld des zapatistischen Aufstands vom 1. Januar 1994 versuchte die mexikanische Zentralregierung in den 70er und 80er Jahren, den wachsenden Widerstand im Bundesstaat Chiapas durch geschicktes teile und herrsche auszubremsen. Torben Ehlers schreibt: „Auf zweierlei Weise wurde von der „Familia Chiapaneca“ (herrschende Elite) auf die Oppositionsbewegungen reagiert: zum einen mit der Mobilisierung von Entwicklungsgeldern … [ganzen Artikel lesen]

 

Wenn’s im Kampf gegen Ausbeutung und Zerstörung mal wieder gar keine Hoffnung zu geben scheint: „Verzweiflung können sich nur die Privilegierten leisten.“ (Ilija Trojanow, zitiert nach medico international rundschreiben 04/11)

 

Fragmente aus Ingeborg Bachmanns Das dreißigste Jahr: „Im Moralhaushalt der Menschheit, der bald ökonomisch, bald unökonomisch geführt wird, herrschen immer Pietät und Anarchie zugleich. Die Tabus liegen unaufgeräumt herum wie die Enthüllungen.“ „Der große Streik: der augenblickliche Stillstand der alten Welt. Die Niederlegung der Arbeit und des Denkens für diese alte Welt. Die Kündigung der … [ganzen Artikel lesen]

 
Wenn die Angst regiert, ...

Mit erstaunlicher Regelmäßigkeit führt in Romanen und Spielfilmen das Fehlen einer herrschenden Klasse zu Chaos, Gewalt, Mord und Totschlag. Ein Schelm, wer danach fragt, wem dieser gedankliche Automatismus nützt. Das hier abgebildete Werbeplakat legt nahe, dass Robert Harris sich jüngst ebenfalls mit Genuss dieser Dystopie gewidmet hat: Nicht mehr Menschen regieren (beherrschen) dort andere Menschen, … [ganzen Artikel lesen]

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